Nur der Mut, nicht immer gemocht zu werden gibt Freiheit!

Christa Jacobi-Royda am 14. Juni 2013 um 14:09 Uhr

>> Nichts macht uns feiger, als der Wunsch, von allen geliebt zu werden. <<
Marie von Ebner-Eschenbach
Dieser Satz macht mich nachdenklich und ich spüre die Wahrheit darin. Die schmerzliche Wahrheit…denn: Wer will schon feige sein? Und: Wer will nicht geliebt werden?
Aber „von allen“?
Wenn wir uns bewusst machen, wie existenziell wichtig es in unserer frühen Kindheit war, geliebt zu werden, stellte doch nur das unsere Versorgung sicher, wird uns klar, welch tiefes Bedürfnis da berührt wird. Abgelehnt, nicht gemocht zu werden, Außenseiter zu sein berührt eine Angst, „als ginge es um unser Leben“. Nur wenn wir verstehen, dass dieses „Harmonie-Bedürfnis“ sehr tiefe Wurzeln hat, tun wir es nicht nur als eine Schwäche ab sondern können es differenziert betrachten und zu mutigem Handeln finden, weil wir in manchen Situationen unverletzlicher werden.
Ich kenne das auch schmerzlich von meiner eigenen Geschichte, wie verletzlich das macht, wie weh das tun kann: abgelehnt, nicht gemocht zu werden – und ich begegne dem heute in meiner beruflichen Tätigkeit. Mal bin ich betroffen, wenn ich als Supervisorin negative Emotionen auf mich ziehe oder wenn in Führungs- Coachings der Klient (meistens die Klientin) sich vor der Durchsetzung unpopulärer Maßnahmen oder dominanten rücksichtslosen Mitarbeiter/innen fürchtet. (Das dies meist ein „weibliches“ Problem ist, ist nochmal eine eigene Geschichte, über die ich ein andermal nachdenken werde).
Folgende Gedanken können in solchen Situationen Deine Entscheidungshelfer sein:
„Wenn ich dies oder jenes tue, wer denkt oder sagt dann etwas über mich?“ Ist dieser Mensch wichtig für mich? Kennt er mich gut und richtig genug, um etwas wirklich Wesentliches über mich zu sagen? Was passiert, wenn er/sie mich nicht mehr mag? Beeinträchtigt das wirklich mein Leben? Sagt das, was dieser Mensch denkt und sagt, nicht viel mehr über diesen Menschen aus als über mich? Warum muss er/sie mich klein machen, ignorieren, beurteilen? Wovon lenkt er/sie ab? Wovor hat er/sie Angst? ... (Manchmal kann ich diesen Menschen dann sogar mit Mitgefühl betrachten, aber das ist auch eine andere Geschichte…)
Ist nicht nur das wirklich wichtig und bedeutsam für mich, was meine nahe stehenden Menschen über mich denken?
Ich sage mir in solchen Situationen: „Ich brauche Dich nicht für meine emotionale Versorgung“. Das ist mein Zaubersatz, der die Kritik und das ablehnende Verhalten sofort zur richtigen Größe zusammenschrumpft.
Welche MACHT gebe ich anderen an die Hand, wenn ich mich Ihren Erwartungen anpasse aus Furcht, abgelehnt zu werden? Hast Du schon jemals echte Zuneigung oder Respekt dafür erhalten, dass Du dich anpasst und damit nicht authentisch bist?? Ist nicht vielmehr das Gegenteil der Fall? Je mehr Du Dich bemühst, nicht anzuecken, desto beliebiger wird mir Dir verfahren, desto mehr an Dir herum gezerrt!
Ist es nicht Zuneigung, die ich von diesen Menschen erwarten sollte, sondern RESPEKT?
Ihr müsst mich nicht mögen, aber respektieren!“ Ist das nicht eine gesunde und erwachsene Haltung? Respekt aber bekomme ich nur, wenn ich geradlinig und authentisch bin! >> Bei der weiß ich, woran ich bin! << Eben! Wer mich darum mag – umso besser! Das hat dann wirklich etwas mit mir zu tun!
Lass Dich ermutigen, in Zukunft mal nicht gemocht zu werden, weil Du Deine Meinung vertrittst oder anders handelst, als erwartet. Was Du verlierst in Wahrheit nicht von Bedeutung, was Du gewinnst ist Authentizität, innere Freiheit – und vielleicht einige echte neue Freunde!

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